23. Mai 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 23. Mai 1916

Ein Solinger Soldat von der russischen Front beschwert sich über den Wucher bei Verkäufen von Waren an Soldaten

    Wucher bis in den vordersten
               Schützengraben!
   Ein Solinger Parteigenosse, der in Rußland im Schützen-
graben liegt, schreibt mit berechtigter Entrüstung in einem an
uns gerichteten Briefe:
   Wucher bis in den vordersten Graben! Daß die Herren
Kriegswucherer ihre gierigen und unsauberen Hände bis nach
den geplagten Soldaten unmittelbar vor der feindlichen Front
ausstrecken, – das habt Ihr wohl noch nicht für möglich ge-
halten? Nun, wir hier wissen, daß man diesen angenehmen
Zeitgenossen auch vor den feindlichen Kanonen nicht entgehen
kann. Dafür ein Beispiel. Wenn wir im Graben liegen, dann
kommt es vor, daß wir von Kameraden, die aus irgendeinem
Grunde nach „hinten“ geschickt werden, kleine Bedürfnisse mit-
bringen lassen. Dieser Tage ließen wir uns von einem Kame-
raden Lederfett mitbringen. Wer beschreibt nun unser
Erstaunen, als sich in den etwa 1½ Zentimeter hohen Blech-
büchsen eine etwa 3 Millimeter hohe Fettschicht befand! Dabei
war jede dieser Büchsen deutschen Fabrikats in dem deut-
schen Soldatenheim, aus dem das Fett bezogen worden war,
mit 25 Pf[enni]g bezahlt worden! Dabei ist zu bemerken, daß die
Höhe des Inhalts unter Zeugen genau gemessen worden ist.
Die Entrüstung über diesen Streich war in dem Graben allge-
mein. Mit Recht fragten die Feldgrauen, wie mag es unseren
Frauen und Kindern ergehen, wenn die elenden Wucherer ihre
Opfer sogar in den Schützengräben suchen, wenn sie sogar die
Vaterlandsverteidiger ausplündern dürfen. Gegen die Russen
werden wir uns schon unserer Haut wehren. Nur vor den
Wucherern schütze man uns!

23. April 1916

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Stadtarchiv Troisdorf, Pressesammlung: Siegburger Kreisblatt vom 23. April 1916

Vor gefährlichen Fett-Ersatzmitteln wird gewarnt.

  –  Gefährliche Ersatzmittel. Der Kriegs-
ausschuß für Oele und Fette warnt vor den
sog. Ersatzmitteln für Butter, Oel usw. Alle
diese Ersatzmittel sind als Nährmittel voll-
ständig wertlos. Die Butterersatzmittel ha-
ben zumeist 50 v. H. Wassergehalt, beste-
hen im übrigen aus Magermilch oder Kar-
toffelmehl und weisen sämtlich nur 12,81
bis 17,18 v. H. Fett, dagegen einen Wasser-
gehalt von 49,50 bis 61,54 v. H. auf. Der
Salatölersatz besteht aus 98– 99 v. H. Wasser
und 1 bis 2 v. H. pflanzlicher Stoffe, die das
sämig machen und färben. Dagegen können
alle diese Mittel in der wärmeren Jahreszeit
als Krankheitsträger dienen, da sie im hohen
Grade einen Nährboden für alle Bakterien
darstellen.

11. April 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 11. April 1916

Die „Bergische Arbeiterstimme“ macht sich in Zeiten akuter Fettnot über die Werbung für „Entfettungstabletten“ lustig

   Solingen. Die Entfettungstabletten. In einer
bürgerlichen Zeitung Solingens empfiehlt ein Apotheker –
Tabletten, die übermäßig korpulente Leute von dem über-
flüssigem Fett befreien sollen. In Friedenszeiten war
eine solche Entfettungskur bei manchem angebracht, jetzt in
der Zeit der Fettnot klingt die Zeitungsanzeige aber wie
Hohn. Unsere Hausfrauen und die Gemeindeverwaltungen
zerbrechen sich die Köpfe, wie das allernötigste Fett zur Ernäh-
rung herbeigeschafft werden kann. Da wäre es wohl kein
schlechter Vorschlag, wenn man den Entfettungsapotheker ver-
anlaßte, seine Kuren einzustellen, da er sonst den Fettmangel
noch vergrößern hilft.

7. April 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 7. April 1916

Neuigkeiten aus der Solinger Lebensmittelkommission über Versorgungsengpässe

          Aus der Lebensmittelkommission.
   Die Bäcker-Innung hatte bei der Preisprüfungsstelle be-
antragt, die Preise für Kriegsbrot von 63 auf 66 Pf[enni]g
und für Schwarzbrot von 70 auf 72 Pf[enni]g zu erhöhen und
ihren Antrag mit der Steigerung der Kartoffelpräparate be-
gründet. Nach Ansicht der maßgebenden Regierungsstellen be-
trägt diese Steigerung bei einem 4pfündigen Brot knapp 1½
Pf[enni]g, wodurch ein Aufschlag noch nicht gerechtfertigt sei. Der
Antrag wird darauf vorläufig zurückgezogen, bis bei der Hand-
werkskammer eingeleitete Schritte ein Ergebnis haben.
   Die Eierverteilung leidet unter der Schwierigkeit,
genügende Mengen heranschaffen zu können, weshalb die
Wiederverkäufer nicht regelmäßig bedient werden können.
Daran würde auch eine Aenderung des Systems nichts ändern
können. Die von der Stadt Solingen beschafften Eier werden
in Zukunft mit dem Preis und dem Vermerk „Stadt Solingen“
gestempelt in den Handel kommen. Außer diesen ungarischen
Eiern hat die Stadt einen größeren Posten holländischer Eier
beschafft.
   Die Butter- und Fettverteilung leidet unter
den gleichen Schwierigkeiten, die sich jedoch bei der in jedem
Frühjahr eintretenden Steigerung der Milchproduktion ver-
mindern werden. In dieser Woche konnte schon an 94 Händler
Butter und Schmalz abgegeben werden.
   Die vorübergehenden Stockungen in der Kartoffel-
abgabe können jetzt als überwunden gelten, da regelmäßige
Zufuhren gesichert sind. An die Haushaltungen, die noch Kar-
toffeln einkellern wollen und keine Vorräte haben, werden
solche sackweise frei Haus abgegeben. Die Höchstmenge, die ab-
gegeben wird, beträgt auf den Kopf einen Zentner (bis zum
1. Juni). Die Abfuhr erfolgt straßenweise unter Kontrolle der
Behörde gegen sofortige Zahlung. Diese Kartoffeln dürfen
aber auf keinen Fall verfüttert werden.
   In der Fleischverteilung und -versorgung stehen
einschneidende Aenderungen bevor, die in den süddeutschen
Staaten zur Einführung der Fleischkarte geführt haben. In
Preußen wird den Gemeinden die Regelung übertragen werden,
jedoch sind definitive Anweisungen noch nicht
ergangen. Jedoch kann heute schon gesagt werden, daß
die Befürchtung, die Regierung werde die für den Hausbedarf
gemästeten Schweine beschlagnahmen, unbegründet ist.
   Am Schlusse der Sitzung wurden eine Anzahl Be-
schwerden über Ueberschreitungen der Höchst-
preise vorgetragen, mit denen sich die Behörde noch be-
schäftigen wird.

20. März 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 20. März 1916

Wie nach Ansicht der „Bergischen Arbeiterstimme“ gegen das Hamstern von Fleischwaren auch in Solingen behördlich vorgegangen werden sollte, zeigt das Beispiel Aachen. Außerdem geht es um einen Solinger Metzger, der einem Witzheldener Bauern ein Mastschwein vergeblich abkaufen wollte. Dieses wurde nämlich zwischen den Besuchen an einen anderen Solinger Fabrikanten verkauft.“

   Behörden, geht auf die Nahrungsmittelsuche!
   In unserer Dienstagsnummer gaben wir der Ueber-
zeugung Ausdruck, daß in Solingen und auch wohl in vie-
len anderen Orten unseres Bezirks Schweinefleisch,
Dauerware und Fett in großen Mengen von privaten
Haushaltungen verborgen gehalten werden. Wir verurteilten
diese Hamsterei aufs schärfste und verlangten behördliche
Haussuchungen und Ausräumung der Ham-
sterbaue im Interesse der Allgemeinheit.
   In anderen Städten ist man nun mit gutem Beispiele
in dieser Richtung vorangegangen. Und das gute Beispiel hat
gute Erfolge gezeigt. Wir empfehlen die nachstehende Mel-
dung eindringlich der Beachtung unserer Behörden:
      Die Aachener Polizei hat in einer größeren Anzahl
   von Privathäusern die Butter- und Fett-
   vorräte mit den bei der Bestandsaufnahme angezeigten
   Mengen verglichen und dabei festgestellt, daß reichliche Vor-
   räte verschwiegen worden sind. Die nicht angegebenen Men-
   gen wurden beschlagnahmt. Gegen die Besitzer wird straf-
   rechtlich vorgegangen.

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16. März 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 16. März 1916

Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass Metzger sämtliche Fettverkäufe auf der Fettkarte vermerken müssen. Andernfalls drohen Strafen.

   Solingen. Die Fettkarte. Ueber die Fettkarte
scheinen hiesige Metzger noch immer nicht hinreichend unter-
richtet zu sein. Wie uns mitgeteilt wird, geben einzelne
Metzgereien das Fett an ihre Kunden nach wie vor ohne
Fettkarte ab. Als man sie wegen dieses Verstoßes zur
Rede stellte, gaben sie der Meinung Ausdruck, daß die Fettkarte
nur für das Schmalz oder Fett gelte, das ihnen von der
Stadt zum Verkauf geliefert werde. Das ist ein schwerer Irr-
tum, der die ganze Einrichtung gegenstandslos macht. Es
muß die strengste Kontrolle gefordert werden. Leute, die der-
artige Erfahrungen in Metzgereien machen, sollten die Metzger
dahin aufklären, daß jede Fettabgabe auf der Karte vermerkt
werden muß. Wenn dies nichts hilft, dann muß gegen solche
Metzger die Hilfe der Behörden in Anspruch genommen
werden. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der
Fettkarte werden bekanntlich mit Gefängnisstrafen bis zu sechs
Monaten oder mit Geldstrafen bis zu 1500 Mark bestraft.

14. März 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 14. März 1916

Wie soll die Obrigkeit mit gehamsterten Beständen, vor allem an Fleischwaren, verfahren? Die „Bergische Arbeiterstimme“ fordert Hausdurchsuchungen und Kontrollen bei den „sogenannten besseren Haushaltungen“

Gleiche Brüder – gleiche Nahrung!
   Andere Grundsätze dürfen jetzt in Deutschland keine Gel-
tung haben. Das ist die erste und vornehmste Kriegsnotwendig-
keit. Die Brotkarte, die Fettkarte, die Kartoffelkarte erwecken
den Anschein, als ob in diesen Nahrungsmitteln die Verteilung
ganz gleichmäßig ist. Eine Gleichmäßigkeit wird annähernd
erreicht in der Brotverteilung und – soweit es sich bis jetzt fest-
stellen läßt – in der Kartoffelverteilung. Die Butter- und
Fettverteilung bringt schon viel mehr Ungleichheiten.

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11. März 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 11. März 1916

Ein Beispiel für das Hamstern von Butter und Fett

   Solingen. Butter- und Fetthamster! Eine
Rentnerin von der Katternbergerstraße, die nur einen kleinen
Haushalt führt, hat kurz vor Einführung der Fett- und Butter-
karte von einem hiesigen Butterhändler noch 15 Pfund Fett
gekauft. Dieselbe Frau hat auch größere Mengen Butter bezogen,
die allerdings unter der Firma Inlandsbutter gingen. Der-
artige skandalöse Zustände sind jetzt hoffentlich durch die Ein-
führung der Fett- und Butterkarte unmöglich gemacht.

4. März 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 4. März 1916

In der Ohligser Stadtverordnetensitzung werden einige Merkwürdigkeiten der Lebensmittelversorgung in der Gemeinde angesprochen

Ohligs. Zur Lebensmittelversorgung. In-
folge einer Anfrage, die der neugewählte Stadtverordnete
Dültgen außerhalb der Tagesordnung in der letzten
Stadtratssitzung an die Verwaltung richtete, kam es über die
Lebensmittelversorgung zu einer längeren Debatte. Herr
Dültgen wünschte mehr Verkaufsstellen, um den Hausfrauen
weite Wege zu ersparen. Weiter besprach Herr Dültgen die
außerordentlich hohen Fleischpreise in Ohligs, die bis zu
50 Pf[enni]g für das Pfund höher seien als z. B. in Elberfeld und
Düsseldorf. Der Vorsitzende, Bürgermeister Czettritz, wies
darauf hin, daß die Tätigkeit der Lebensmittelkommission eine
außerordentlich rege gewesen sei. Die Versorgungs- und
Unterstützungsverhältnisse seien in Ohligs mindestens ebenso-
gut, wenn nicht besser als in den Nachbargemeinden.

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4. März 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 4. März 1916

Solingen führt Kartoffel- und Fettkarten ein

Eine Kartoffel-, Butter- und Fettkarte.
wird am Montag den 6. März in Solingen eingeführt.
Die erste Karte erstreckt sich auf den Zeitraum vom 5. bis 11. März.
Vorläufig werden die Kartoffel- und Fettkarten immer für die
Kalenderwoche gültig sein, vom Zeitpunkt des Ablaufs der
nächsten Brotkarte ab erlangt die Kartoffel- und Fettkarte acht-
wöchige Gültigkeit und wird immer mit der Brotkarte ausge-
geben. Auch die Ausgabe am Montag erfolgt schon in
den Brotkarten-Ausgabestellen. Bei der Aus-
gabe der Karten wird die Polizeiverwaltung wieder die Hilfe
unserer Lehrer in Anspruch nehmen.

18. Februar 1916

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 18. Februar 1916

Remscheid führt als erste Stadt im Bergischen eine Fleischkarte ein, wenn auch, wie die „Bergische Arbeiterstimme“ kritisiert, nur für Schweinefleisch.

Die Fleischkarte ist da!
   Den dringenden Vorstellungen besonders von sozialdemo-
kratischer Seite, die Fleischkarte einzuführen, ist nun-
mehr auch eine bergische Stadt gefolgt, und zwar unsere Nach-
barstadt Remscheid. Diese Kommune ist die erste im
Bergischen, die außer der Fettkarte für Butter, Margarine
und Pflanzenfett auch eine Fleischkarte einführt, und zwar nicht
nur für städtisches Fleisch, sondern für Schweinefleisch
überhaupt. Butter, Margarine oder Pflanzenfett (in-
ländisches oder ausländisches) darf seit Mittwoch nur auf
Grund einer auf den Namen des Käufers lautenden Butter-
karte, die bei der Fettentnahme zu lochen ist, abgegeben werden.
Der Verkäufer darf, soweit Vorrat vorhanden, für jede Person
und Woche nur ⅕ Pfund Butter oder ¼ Pfund Margarine
oder Pflanzenfett abgeben. Die Anordnung erstreckt sich so-
wohl auf die von der Stadt, als auch auf die im freien Handel
beschaffte Butter und Margarine. Auch die industriellen Werke
und Angestellte, die Butter oder Margarine beziehen, sind ver-
pflichtet, bei Abgabe die Butterkarte entsprechend zu lochen.
Ausgeschlossen von dem Bezuge der Butterkarten sind die, die
Butter oder Fett von Landwirten, Molkereien und Handlungen
unmittelbar beziehen.
   Die Karte für den Schweinefleischverkauf be-
rechtigt zur Entnahme von frischem Schweinefleisch: für eine
Familie bis 3 Personen wöchentlich 1 Pfund, für 4 bis 6 Per-
sonen wöchentlich 1½ Pfund, für mehr als 6 Personen 2 Pfund.
Die Metzger haben auf der Karte die Menge des gekauften
Schweinefleisches unter Angabe des Tages unterschriftlich ein-
zutragen.
   Immerhin handelt es sich auch hier nur erst um eine halbe
Maßnahme. Im Interesse der Volksernährung muß die ganze
Fleischkarte gefordert werden. Aber das Vorgehen Remscheids
bedeutet einen Fortschritt. Man kann nur wünschen, daß die
anderen bergischen Städte dem Beispiele Remscheids bald
folgen. Am besten wäre es freilich, sie machten gleich ganze
Arbeit mit der Einführung der vollen Fett- und Fleischkarte!

7. Januar 1916

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Stadtarchiv Troisdorf, Pressesammlung: Siegburger Kreisblatt vom 7. Januar 1916 

Auch aus Unkrautsamen ist wertvolles Pflanzenöl zu gewinnen. 

   –  Gewinnung von Oel aus Unkraut-
samen. Durch eine Veröffentlichung vom
Dezember 1915 fordert der Preußische
Landwirtschaftsminister die Landwirte auf,
auf die Gewinnung der ölhaltigen Unkraut-
samen Bedacht zu nehmen und diese bei den
dafür bestellten Stellen zur Ablieferung zu
bringen. Es heißt in dem Aufruf: „Das
in diesem trockenen Jahr gewachsene Som-
mergetreide enthält beträchtliche Mengen
Beimischungen von Hederich, Ackersenf,
Leindotter und anderen ölhaltigen Unkraut-
samen, die beim Dreschen und bei der späte-
ren Reinigung des Getreides ausgesiebt
werden. Diese Sämereien sollten, auch
wenn es sich um ganz kleine Mengen
handelt, den Oelmühlen zur Oelgewinnung
zugeführt werden. Der Kriegsausschuß für
pflanzliche und tierische Oele und Fette hat
in jedem Kommunalverband einen Kommis-
sionär ernannt, der ebenso wie alle anderen
Oelfrüchte auch diese beim Ausputz gewon-
nen Oelsamen abnimmt.“

15. Dezember 1915

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 15. Dezember 1915

Höhscheid für als erste Gemeinde im Landkreis Solingen die Fleisch- und Fettkarte ein

Höhscheid. Einführung von Fleisch- und Fett-
karten. Die Gemeinde Höhscheid hat Fleisch-und Fettkarten
eingeführt. Die Fleischkarten beziehen sich auf Fett und Speck.
Die übrigen Gemeinden des oberen Kreises werden dem Bei-
spiele Höhscheids bald folgen müssen, da die Zustände in der
Fettversorgung unhaltbar werden. Der Erfolg der Brotkarte
beweist, daß es aus diesem Dilemma nur einen Weg gibt:
die Einführung der Fett-und Fleischkarte.

11. Dezember 1915

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 11. Dezember 1915

Eine Glosse über den Hamster oder besser das Hamstern und die abschließende Forderung nach Einführung von Butter- und Fettkarten

     Neues vom Hamster.
   Der Krieg hat manche Entdeckung gebracht. Er hat
auf vielen Gebieten unsere Einblicke vervielfältigt. Auch unsere
Naturerkenntnis hat er in mancherlei Hinsicht ver-
mehrt. Auf diesem Gebiete hat uns der Krieg unter anderem
die Augen darüber geöffnet, wie mangelhaft wir bisher über
das Wesen des Hamsters, über seine Schädlichkeit, über
seine verschiedenen Abarten und seine gemeingefährlichen Un-
arten unterrichtet gewesen sind.
   Die bald anderthalb Jahre Krieg haben uns einen Begriff
darüber vermittelt, wie enorm der Hamster eine menschliche
Gesellschaft, die nicht gerade im Ueberfluß schwimmt, schädigen
kann. Die Naturgeschichte stellte uns bisher den Hamster als
einen verhältnismäßig harmlosen Gesellen vor, der in frucht-
baren Getreideniederungen haust, von Getreide, Wurzeln,
Kräutern, Obst sowie Mäusen, Eidechsen und Insekten lebt, im
Winter seinen langen Schlaf hält und während dieses Winter-
schlafes die Menschheit völlig in Ruhe läßt.

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9. Dezember 1915

9.12. Mettmann

Kreisarchiv Mettmann, Düsseldorfer General-Anzeiger vom 9.12.1915

Festlegung von Höchstpreisen für Fleisch- und Fettwaren in Mettmann.

Höchstpreise für Schweinefleisch.
S[adt] Mettmann, 8. Dez[ember]. Mit dem heutigen
Tage sind für die Gemeinde Mettmann bis auf
weiteres Höchstpreise für Schweinefleisch, Fett
und Fleischwaren bei Abgabe an die Ver-
braucher festgesetzt worden. Die Höchstpreise
sind in mehrere Stufen eingeteilt, und zwar
für frisches Fleisch und Fett, gesalzenes Fleisch
und Schmalz, sonstige Wurst- und Fleischwaren.
Für letztere treten die Höchstpreise am 15. De-
zember in Kraft. Es kostet 1 Pfund Schweine-
fleisch 1,46 Mark, Speck 1,70 – 2  Mark, Schmalz
2,40 Mark.