Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 28. November 1916
Nach Ansicht der „Bergischen Arbeiterstimme“ ein Skandal: Die öffentliche Vermittlung „privater“ Kühe angesichts der katastrophalen Versorgungslage mit Milch und Butter
Privat-Kühe.
Es ist in Besprechungen unserer Ernährungslage schon oft
darauf hingewiesen worden, daß sich Leute, die Geld haben,
auch heute noch alles mögliche leisten können. Viel besprochen
wurde die Einrichtung der Pensionsschweine und
Pensionskühe. Es ist Leuten mit entsprechend großem
Geldbeutel heute noch möglich, sich irgendwo eine Kuh einstallen
und den gesamten Ertrag dieser Kuh an Milch und Butter für
ihre werte Person reservieren zu lassen. Und das in einer
Zeit, in der andere Familien kaum Milch für ihre kleinen Kin-
der haben. Welchen Umfang dieser eigensüchtige Unfug ange-
nommen hat, sieht man daraus, daß dieses schamlose Treiben
der Viehverschleppung seine schmutzigen Geschäfte dreist auf
offenem Inseratenmarkt abwickelt. Im Elberfelder „General-
Anzeiger“ finden wir dieses Inserat:
Für Private! Prima Milchkühe
liefert unter günst[igen] Bedingungen bei
späterem Rückkauf unter Nachweis,
wo dieselben eingestallt und verpflegt
werden können, falls keine Stallung vor-
handen ist.
Emil Rosendahl,
Elberfeld-Mirke. Telephon 225
Es muß dringend gefordert werden, daß die Behörde
dem betriebsamen Herrn Rosendahl und seinen Kunden das
Handwerk legt.
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Stadtarchiv Solingen (28. November 2016). 28. November 1916. 1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch. Abgerufen am 11. September 2026 von https://doi.org/10.58079/cqlo
