20. Mai 1915

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Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 20. Mai 1915

Um den deutschen Verbraucher die Vorzüge deutscher Waren gegenüber häufig bevorzugten ausländischen Produkte näher zu bringen, planen Institutionen in Berlin, Dresden und Leipzig (u.a. der Deutsche Werkbund) eine große Wanderausstellung. Die „Bergische Arbeiterstimme“ empfiehlt die Teilnahme der Solinger Schneidwarenindustrie.

Deutsche Waren unter falscher
                        Flagge.
   Unter den Fachleuten der Solinger Stahlwaren-
industrie ist es ein offenes Geheimnis, daß in dieser In-
dustrie bis zum Kriegsausbruch große Mengen Schneidewaren
hergestellt wurden, die, bevor sie in die Hände des Verbrauchers
gelangten, erst die Reise nach Sheffield machten, um dann als
„echt englische“ Stahlwaren in den Handel gebracht zu
werden. In vielen Fällen wurde der Firmenstempel des eng-
lischen Bestellers schon hier auf das Fabrikat geschlagen.
   Gegen diese Praxis macht sich nun eine scharfe Gegen-
strömung bemerkbar. In Leipzig hat die Handelskammer,
in Dresden die sächsische Landesstelle für Kunstgewerbe, in
Berlin der Deutsche Werkbund und der Verband „Deutsche
Arbeit“ die Bereitschaft zu einem Zusammenschlusse gegen diese
Praxis erklärt. Es soll eine Wanderausstellung veranstaltet
werden, die zur Aufklärung des deutschen Publikums bei-
tragen soll.


   Es sollen zur Ausstellung gelangen: Waren deutschen
Ursprungs, die niemals Deutschland verlassen haben, trotzdem
aber im Inlande bisher als fremde Erzeugnisse bezeichnet
worden sind; Waren deutschen Ursprungs, die bisher über das
Ausland bezogen oder nur in Transitlagern umgepackt und
mit fremder Ursprungsbezeichnung in den Verkehr gebracht
worden sind; Halbfabrikate und andere Waren deutschen Ur-
sprungs, die im Ausland eine Veredelung erfahren haben;
fremde Waren, die als deutsches Fabrikat in den Handel
kommen und ebensogut  in Deutschland erzeugt werden können
und erzeugt werden (z[um] B[eispiel] englische Stahlfedern). Daneben
sollen in allen diesen Fällen vergleichsweise solche fremden
Waren, die im Publikum unberechtigt zur höheren Einschätzung
der fremden ober der scheinbar fremden Erzeugnisse geführt
haben, nach Möglichkeit vorgeführt werden. Als unbedingte
Voraussetzung für gedeihliche Wirkung der Ausstellung wurde
es angesehen, daß nur Erzeugnisse vorgeführt werden, die in
Zweckdienlichkeit, Technik und geschmacklicher Aus- und Durch-
führung der deutschen Gütererzeugung Ehre machen und die
deutschen Verbraucher von der Qualität und von der Eben-
bürtigkeit oder Ueberlegenheit der deutschen Waren gegenüber
den bisher vielfach bevorzugten fremden Waren überzeugen.
Um nach diesen Richtungen hin die Berechtigung und den
erzieherischen Wert der Ausstellung zu gewährleisten, soll daher
alles Minderwertige grundsätzlich ausgeschlossen
oder nur als Gegenbeispiel zugelassen werden, wobei
gleichzeitig gezeigt werden soll, wie aus denselben Grundstoffen
bei annährend gleichen Preisen auch befriedigende Ergebnisse
erzielt werden können. Für die einzelnen Ausstellungs-Ab-
teilungen sollen die Zulassungsausschüsse unter Beteiligung
von Vertrauensleuten der jeweiligen Geschäftszweige eingesetzt
werden. Ferner wurde beschlossen, den Vorbereitungsausschuß
durch Zuwahl von Vertretern aus allen in Frage kommenden
Bundesstaaten und Geschäftszweigen zu ergänzen.
   Für die Solinger Industrie wäre es zweifellos von
Nutzen, sich an dem geplanten Unternehmen zu beteiligen.

Stadtarchiv Solingen
Stadtarchiv Solingen

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Stadtarchiv Solingen (20. Mai 2015). 20. Mai 1915. 1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch. Abgerufen am 4. September 2026 von https://doi.org/10.58079/cnet


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