Stadtarchiv Solingen, Bergische Arbeiterstimme 27. Mai 1916
Die von der Stadt Ohligs geplante „Schinkenlotterie“ wird als ungerecht kritisiert.
Die Schinkenlotterie
Man schreibt uns aus Ohligs: Der Bürgermeister machte
unterm gestrigen Datum bekannt, daß die Stadt eine
Anzahl geräucherter Schinken auf die Brotkarte abzugeben habe,
für die Bestellungen im Rathause entgegen genommen würden.
„Uebersteigt“, so hieß es am Schlusse, „die Anzahl der Be-
stellungen die Zahl der vorhandenen Schinken, so erfolgt die
Verteilung durch Auslosung“.
Nun ist zweifelos in dieser Zeit der Fleischknappheit eine
Schinkenlotterie eine schöne und erfreuliche Sache. Ob sie aber
den idealen Verteilungsmodus darstellt, ist sehr fraglich.
Die Gerechtigkeit, die über der städtischen Verteilung
walten sollte, erheischt dringend eine andere Form des Ver-
kaufes. So groß ist die Schinkenzahl nicht, daß jeder einen
Schinken bekommen kann. Da sollte man die Sache so ein-
richten, dass von den Schinken jeder etwas bekommen
könnte. Und so sei der Stadt Ohligs, die große Wahrheit ent-
schleiert: man kann auch Schinken pfundweise, halbpfund-
weise und sogar viertelpfundweise verkaufen.
