
Stadtarchiv Düsseldorf, “Tagebuch Willy Spatz” 1914-1919. 0-1-23-57.0000
Alle Scans zum Tagebucheintrag vom 6. Februar 1917
Willy Spatz (1861-1931) war Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.
Dienstag, den 6. Februar.
Es äußern sich die Zeitungen noch immer vorsichtig über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen Amerikas zu uns. So sagt der Berl. Lokal. Anzeiger: „Wir sind gewaffnet zu dem Bruch Amerikas mit Deutschland. Wenn Wilson es ablehnt, die ihm von der deutschen Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz des Lebens u. des freien Verkehrs amerikanischer Bürger mit den uns feindlichen Mächten zu ergreifen, und statt dessen die Ergreifung von Gewaltmaßregeln zu diesem Zwecke androht, so handelt er gegen die Gesetze der Menschlichkeit,
[Artikel „Der deutsche Tagesbericht.“ / Artikel „Feldjägervorstoß westlich des Plöckenpasses.“ / Artikel „Trommelfeuer nordwestlich von Monastir.“]
in deren Namen er vor kurzem das Wort ergriffen hat. Wir stehen seit 30 Monaten in siegreichem Kampf gegen eine ungeheuere Uebermacht, die über die Schätze der ganzen Welt verfügt. Jeder neue Bundesgenosse, den unsre Feinde sich warben, hat neue Kräfte in dem deutschen Volk lebendig gemacht. Wilson lädt eine furchtbare Verantwortung auf sein Haupt. Aber keine Drohung kann uns schrecken. Er hat vor einigen Wochen erklärt, daß er die Vernichtung des deutschen Volkes nicht will, darum glauben wir noch nicht, daß er sich an einem Kampfe beteiligen wird, der diese Vernichtung zum ausgesprochenen Zweck hat, bevor eine solche Verleugnung aller Verkündigung seiner vorigen Botschaft durch offenkundige Tatsachen beweisen wird.“ – Die Vossische Zeitung unter anderm: „Wir müssen immerhin mit der Tatsache des Krieges rechnen. Neue Feinde werden für uns neue
Kämpfe bedeuten, aber wir dürfen sagen, auch neue Siege.“ Die „Post“ erklärt: „Noch keine Kriegserklärung zwar, wohl aber eine offene Kampfansage. Ein Zufall kann das Zünglein an der Wage bilden. Eine Aenderung der Kriegslage durch ein Eingreifen Amerikas an der Seite ist des Vierverbandes ist nicht zu befürchten“. – Die Kreuzzeitung schreibt: „Es liegt uns fern, den Amerikanern feindlich gesinnt zu sein. Wir verlangen nur, daß sie unsere Blockade respektieren. Wünscht Herr Wilson keinen kriegerischen Konflikt, so braucht er nur seine Landsleute davor zu warnen, die deutschen Sperrlinien zu durchbrechen.“ – In diesem Tone geht es durch alle Blätter.
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Stadtarchiv Düsseldorf (6. Februar 2017). 6. Februar 1917. 1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch. Abgerufen am 8. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/cpzd